Frische Landluft
Inzwischen wohne ich schon seit über einem Monat auf der Rinder-Farm nahe Benalla. Sie umfasst ca. 1500 Hektar mit rund 600 Rindern. Das Haus teile ich mir mit dem Farmer John-Paul (aka JP oder Jonny) sowie seiner Mitbewohnerin Asia. Asia kommt ursprünglich aus Polen. Manchmal fühlt es sich daher an, als würde ich mich auf dem Bauernhof meiner polnischen Großeltern befinden, wenn Asia mal wieder ein Gericht ihres Heimatlandes kocht oder man Songs von polnischen Interpreten durchs Haus schallen hört. Asia arbeitet als Kunstlehrerin an einer High-School in Benalla. Einige ihrer Werke befinden sich bei uns im Haus. Ich selber durfte mein Talent in ihrem Kunststudio auch unter Beweis stellen und einen Affen zeichnen, der sich nun bei den anderen Gemälden über dem Kamin befindet.

Welches dieser Kunstwerke stammt wohl von mir? 🙊
Jonny und Asia sind sehr gesellige Leute, weshalb wir immer mal wieder Besuch von Nachbarn, Familienmitgliedern und Freunden bekommen. Direkt neben der Farm wohnen Jake und Sara, läuft man ein Stückchen weiter, kommt man zum Haus von Christopher und seiner Freundin Taigen. Auch John Murphy und seine Frau Cathy (das Ehepaar, dem ich zu verdanken habe, dass ich überhaupt hier bin), wohnen ganz in der Nähe. Auf Jonnys Geburtstagsfeier habe ich zudem noch viele weitere Freunde und Bekannte kennengelernt. Es ist super spannend, einen solch tiefen Einblick in das Leben der Australier zu bekommen und so viele neue Kontakte zu knüpfen. Dennoch muss ich ehrlich zugeben, dass ich froh darüber bin, mein eigenes Zimmer auf der Farm zu haben. Manchmal ist mir der tägliche Trubel doch ein wenig zu viel, weshalb es gut ist, sich zwischendurch auch mal zurückziehen zu können.

Der Ausblick vom Garten.
An meinem ersten Wochenende auf der Farm, gab Jonny, anlässlich seines Geburtstags, eine Party, zu der er mich einlud. Na ja, genau genommen hätte sich meine Anwesenheit eh nicht vermeiden lassen, weil ich momentan schließlich im gleichen Haus wohne. 😅 Wie auch immer – ich habe mich auf jeden Fall gefreut, dabei sein zu dürfen!
Wer meinen letzten Reisebericht gelesen hat, kann sich vielleicht daran erinnern, dass ich angekündigt habe, in diesem Beitrag zu erzählen, warum ich dem Farmer erst drei Tage nach seiner Feier zum Geburtstag gratuliert habe.
Die Antwort darauf ist nicht, weil ich es vergessen habe. Nein, vielmehr aus dem Grund, weil Jonny, zum Zeitpunkt seiner Feier, noch gar keinen Geburtstag gehabt hatte. Dieser fand nämlich erst drei Tage später statt. Während wir in Deutschland sagen würden, dass es doch Unglück bringe, seinen Geburtstag verfrüht zu feiern, stellt dies in Australien offenbar kein Problem dar. Aber na ja, vielleicht ticken die Uhren auf der anderen Seite der Welt auch einfach anders. 😄

Andere Länder, andere Sitten.
Die Arbeit auf der Farm ist sehr vielfältig und abwechslungsreich. Manchmal müssen wir die Rinder von einer Weide auf die nächste treiben. Das geht in der Regel ganz leicht, weil die Tiere einen sofort hinterherlaufen, sobald man sie ruft oder langsam mit dem Auto an ihnen vorbeifährt. Auch muss jede einzelne Kuh beziehungsweise jedes Rind mit einem Mittel beschmiert werden, was im Sommer nervige Fliegen und andere Insekten davon abhalten soll, das Vieh zu belästigen. Dazu musste ich einen Gurt durch den Behälter mit dem Mittel spannen und diesen wie einen Rucksack aufsetzen. Durch einen Schlauch war eine Spritze mit dem Behälter verbunden, mit welcher ich die Flüssigkeit auf den Rücken der Tiere geschmiert habe. Bewaffnet mit der großen Spritzpistole, habe ich mich wie ein Geisterjäger der Ghostbusters gefühlt.

Die Kühe werden auf der Farm übrigens nicht von uns gemolken, da die Milch für die Kälber bestimmt ist 🙂
Auch das Aufräumen von Schuppen und Garagen, verschiedene Bauprojekte, Gartenarbeit sowie Aufgaben im Haushalt, gehören zu den Jobs dazu. Ein Großteil der Zeit verbringe ich jedoch mit dem sogenannten „Fencing“, womit das Reparieren der Zäune gemeint ist. Momentan sind wir dabei, die Zäune mit einem elektrischen Draht zu verbinden, damit wir am Ende Strom auf ihnen schalten können.

Dieser Zaun muss dringend repariert werden!

Hund Larry ist auch immer dabei! 🙂
Die Arbeit beginnt für mich jeden Tag um acht Uhr und endet um siebzehn Uhr. Zwischendurch gibt es eine Stunde Mittagspause. Die Wochenenden habe ich frei. Anfangs war es ziemlich ungewohnt gewesen, plötzlich wieder 40 Stunden die Woche zu arbeiten. Dazu kommt, dass Farmarbeit körperlich ziemlich anstrengend ist und ich am Ende des Tages jedes Mal so müde bin, dass ich nachts schlafe wie ein Stein. Daher freue ich mich stets auf die Wochenenden, an denen ich Zeit habe, Reiseberichte wie diesen hier zu schreiben oder aber die Gegend zu erkunden. Glücklicherweise darf ich nämlich auch die Autos der Farm benutzen! Und dank meiner lehrreichen Fahrstunden mit Marina in Südafrika, stellt das Fahren auf der linken Seite auch kein Problem mehr für mich dar. 😊
Bist du schon mal in einem linksspurigen Land Auto gefahren?

Ich bin das erste Mal alleine in die Stadt gefahren. ![]()
Die kleine Stadt Benalla ist ungefähr zehn Minuten mit dem Auto entfernt und hat alles, was man benötigt. Es gibt viele Geschäfte, Restaurants, Cafés, eine Bibliothek, ein Kunstmuseum, einen großen Park, ein Schwimmbad, ein Fitnessstudio und eine Tennisanlage. Durch die Stadt fließt ein breiter Fluss, an dessen der botanische Garten angrenzt. Es lohnt sich, hier entlang spazieren zu gehen.

In der Stadt sind überall kleine Kunstwerke zu sehen.

Auch das Gebäude der Bibliothek wurde kreativ gestaltet!

Mitten durch den Botanischen Garten fließt ein breiter Fluss.

Im Park gibt es viele Schleichwege zu entdecken.
Einmal im Jahr finden in der zirka zweistündig entfernten Stadt Henty die Machinery Field Days statt. Ich durfte Jonny, seinen Vater John und Christopher dorthin begleiten. Es ist eine riesengroße Ausstellung mit etlichen Maschinen, Geräten und Werkzeugen und lockt täglich tausende von Besuchern an. Ich weiß nicht genau, wie groß das Gelände ist (mal abgesehen davon, habe ich sowieso eine schlechte Vorstellung von Zahlen 😅). Aber Christopher meinte, dass man das fünftägige Festival über die gesamte Dauer hinweg besuchen müsste, um alles gesehen zu haben. Für mich persönlich war ein Tag völlig ausreichend. Denn zugegeben, fand ich die meisten Ausstellungsstücke ziemlich langweilig. Trotzdem war es schön zu sehen, wie sehr Jonny, Christopher und John sich für den Markt begeistern konnten. Und generell war es cool, mal eine solch riesige Ausstellung miterlebt zu haben! Ganz leer bin ich zudem auch nicht ausgegangen – ich habe mir neue Handschuhe gekauft, weil mein altes Paar, von dem Stacheldraht der Zäune, zerrissen wurden ist.

Diese Hüte sind in Australien sehr beliebt. 🤠

Die Besucher kommen von überall her.
Alles in allem geht es mir hier auf der Farm sehr gut! Zwar werde ich definitiv niemals eine Farmerin werden, doch gibt es dennoch viele Aspekte, die mir an der Arbeit auf dem Land gefallen. Die frische Luft zum Beispiel; das ruhige Leben auf dem Land; die vielen Kängurus und Kaninchen, die man fast täglich auf den Feldern sieht; die netten Menschen, die hier leben; der abwechslungsreiche Alltag und das kostenlose Gym-Workout, welches man oftmals während der Arbeit erhält. 😉



Hallo Merle
Es ist immer wieder sehr aufregend und spannend deine tollen Erlebnisse zu lesen
Wünsche dir auch weiterhin eine tolle Zeit 🥰warte schon ganz gespannt auf den nächsten Artikel 🥰ganz liebe Grüße aus Hipstedt
Monika
Dankeschön Monika, das freut mich sehr zu hören! 🤗