Zufälle gibt's - das gibt's doch gar nicht!
Es gibt Momente, in denen ich das Gefühl habe, mein Leben verläuft ganz getreu dem Motto nach Murphys Gesetz: Was schiefgehen kann, geht schief. Und dann ereignen sich wiederum Dinge, in denen mir bewusst wird, dass es manchmal einfach nur Zeit, Geduld und ein wenig Vertrauen in das Universum braucht, bis man schließlich genau das bekommt, was man gerade benötigt. Eine solche Erkenntnis hatte ich zuletzt in South Golden Beach, als ich an einem warmen sonnigen Tag auf der Straße nahe dem Strand entlanglief …

Der Zufall geht Wege, da kommt die Absicht gar nicht hin …
Nach monatelanger vergeblicher Suche nach einem bezahlten Job (bisher hatte ich stets nur für die Unterkunft gearbeitet), sank nicht nur mein Kontostand, sondern auch meine Hoffnung – Arbeit in Australien zu finden – immer mehr. Wohl oder übel musste ich mich daher langsam mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass ich Australien voraussichtlich früher als geplant verlassen müsse, sollte ich nicht möglichst bald ein wenig Geld verdienen. Darüber grübelnd, lief ich an einem Freitagnachmittag den Strandweg entlang. Ich kam gerade vom Einkaufen und die Lebensmittelpreise hatten mich mal wieder darüber nachdenken lassen, dass die australischen Supermärkte einen wirklich guten Umsatz mit uns Backpackern machen mussten. Vor allem Obst und Gemüse ist so teuer, dass ich mir jedes Mal dreimal überlegen muss, ob ich den Pink Lady – Apfel jetzt mitnehme oder nicht. Von den Preisen der Gurken will ich gar nicht erst anfangen zu berichten …

Nichtsahnend lief ich den Strandweg entlang.
Plötzlich hielt ein weißes Auto neben mir an. In dem Wagen saß ein älteres Ehepaar, welches mich freundlich grüßte und mich dann fragte, ob ich zufällig wüsste, wo der nächste Supermarkt ist. Da ich mich inzwischen schon ziemlich gut in der Gegend auskannte, fühlte ich mich wie ein richtiger Local, als ich ihnen den Weg zum Coles beschrieb. Dann fragten die beiden auch noch nach einem guten Café in der Nähe, worüber ich natürlich auch bestens Bescheid wusste. Nach meiner ausführlichen Wegbeschreibung, fragte der Mann mich, ob ich aus Deutschland käme (mein deutscher Akzent hatte mich mal wieder verraten 😅). Ich bejahte und erkundigte mich bei dem Paar, was sie nach South Golden Beach führte. Daraufhin erzählten sie mir, dass sie momentan Urlaub in Byron Bay machten, eigentlich aber auf einer Farm in der Nähe von Melbourne wohnten. Ohne groß darüber nachzudenken, fragte ich, ob sie zufällig noch Helfer für die Farm bräuchten. Überraschenderweise nickte der Farmer und ein paar Minuten später, kritzelte er auf seine eigene Visitenkarte die Nummer seines Sohnes rauf. Dieser hatte die Farm inzwischen übernommen und ich sollte ihn anrufen, um alle weiteren Details mit ihm zu besprechen.

The Salty Mangrove – eines der beliebtesten Cafés in South Golden Beach.
Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, noch einmal auf einer Farm zu arbeiten. Da ich allerdings sowieso geplant hatte, im September nach Melbourne zu fliegen und sich die Farm scheinbar nur zwei Stunden von der Stadt entfernt befand, dachte ich mir, dass ich diese Erfahrung ruhig noch mitnehmen könnte und es zumindest ein Versuch wert wäre. Immerhin hatte ich nichts zu verlieren. Denn (vorausgesetzt die Farm würde mich einstellen) falls es mir nicht gefallen sollte, wäre ich zumindest schon mal im Bundesstaat Victoria und könnte einfach nach Melbourne reisen.
Anfang September war es dann so weit. Meine Gastgeberin aus South Golden Beach, brachte mich morgens zur nahegelegenen Bushaltestelle. Von dort aus fuhr ich dann mit dem Bus zum Flughafen der Gold Coast. Der Check-In und die Sicherheitskontrolle verliefen schnell und unkompliziert, sodass ich kurz darauf im Flugzeug saß, welches zweieinhalb Stunden später in Melbourne landete.

Angekommen in Melbourne.
Hier angekommen, spürte ich, dass ich derweil ein wenig nervös wurde. Da der Farmer keine Zeit hatte, mich selbst abzuholen, hatte er mir zwei Tage zuvor geschrieben, dass sein Bruder Pat mich am Flughafen erwarten würde. Über diesen wusste ich beinahe genauso viel, wie über den Farmer – nämlich so gut wie gar nichts. Nicht einmal das Aussehen der beiden war mir bekannt. Die einzige Information, die ich erhielt, war, dass Pat einen weißen Toyota Prado fuhr (wie so ziemlich alle Australier) und das Kennzeichen dazu. Nach ein paar Minuten Suchen, entdeckte ich das Auto schließlich. Erleichtert atmete ich auf, als ich feststellte, dass der Mann, der nun ausstieg und mich mit einer Umarmung begrüßte, sehr nett zu sein schien. Gemeinsam fuhren wir zu seinem Haus, wo ich dann seine Familie kennenlernte. Es war nur ein kurzer Besuch, denn knapp zwei Stunden später musste ich bereits wieder aufbrechen, um meine Reise fortzuführen. Pat brachte mich zum Bahnhof, wo er mir mein Zugticket gab (freundlicherweise hatte er es für mich bezahlt) und sich von mir verabschiedete. Nun war ich wieder allein. Inzwischen war es dunkel und der Zug hatte massive Verspätung. Dementsprechend froh war ich, als die Bahn dann endlich kam und ich ins warme Innere einsteigen konnte. Es vergingen weitere zwei Stunden, bis schließlich die Durchsage ertönte, dass das nächste Ziel Benalla – meine Haltestellte – war. Müde und aufgeregt zugleich, stieg ich aus dem Zug aus und hielt Ausschau nach einem blauen Ute, sowie dem Farmer namens John-Paul, der (laut eigener Aussage) eine große Ähnlichkeit zu seinem Bruder Pat aufwies.
Tatsächlich dauerte es auch gar nicht lange, bis ich ihn gefunden hatte. Na ja, eigentlich war es eher andersherum und John-Paul entdeckte mich. Zumindest ging ich davon aus, dass der Mann, der plötzlich fröhlich winkend auf mich zugelaufen kam, der Farmer war. Ich sollte recht behalten und so befand ich mich kurze Zeit später in dem blauen Ute. Das Gepäck wurde einfach hinten auf die offene Ladefläche verladen, was auf mich anfangs ein wenig befremdlich wirkte. Da ich allerdings zu müde war, um groß darüber nachzudenken, hinterfragte ich das Ganze nicht, sondern beschloss, einfach darauf zu vertrauen, dass es schon in Ordnung wäre.

Der blaue Ute.
Die Autofahrt dauerte nicht länger als zehn Minuten. Etwas außerhalb der Stadt, hielten wir vor einem alten Bauernhaus an, welches sich gerade in der Renovierung befand. Das sollte nun also mein neues Zuhause für die nächsten Wochen sein. Nachdem der Farmer mir geholfen hatte, mein Gepäck ins Haus zu bringen, lernte ich auch noch seine Mitbewohnerin Asia, ihren Freund Grith, sowie die drei Hunde Larry, Dusty und Yarda kennen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich in den nächsten Tagen noch viele weitere Nachbarn, Freunde, Familienmitglieder und Hunde kennenlernen würde.

Die Farm 🙂
Wie die erste Zeit auf der Farm verlaufen ist, und warum ich dem Farmer erst drei Tage nach seiner Geburtstagsparty zum neuen Lebensjahr gratuliert habe, erfährst du im nächsten Reisebericht! 😉
Ach und kleiner Funfact: Der Nachname der Farmer-Familie ist Murphy … . Zufall? Ich glaube nicht. 🤭



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