Was schiefgehen kann, geht schief!

Man mag es kaum glauben, aber nach über einem Monat habe ich nun endlich meinen ersten Job gefunden! Am 18. Mai ging es für mich und Svenja (sie ist ebenfalls Backpackerin und aus Deutschland) nach Perth – Hauptstadt des Bundesstaats Western Australia. Wirft man einen Blick auf die Karte, kann man sehen, dass Perth quasi direkt gegenüber von Sydney liegt. Demnach ist es auch kein Wunder, dass der Flug ganze fünf Stunden gedauert hat. Diese Distanz ist schon ziemlich krass, wenn man mal darüber nachdenkt, wo man von Deutschland aus innerhalb fünf Stunden überall hinfliegen könnte.

Da sich die Ziegenfarm, auf der wir in den nächsten Wochen arbeiten würden, nicht direkt in Perth, sondern noch einmal eine sechsstündige Busfahrt entfernt befand, hatten wir bereits im Voraus beschlossen, eine Nacht an der australischen Südwestküste zu schlafen. Hierfür hatten wir uns das Hostel mit den besten Rezensionen gebucht (50$ pro Nacht!!), welches insgesamt aber immer noch äußerst schlecht bewertet war. Bereits beim Betreten des Innenhofs, kam uns ein gewisser süßlicher Geruch nach frisch gemähtem Gras und erdigen Aromen entgegen. Begrüßt wurden wir von ungefähr dreißig verschiedenen Typen, die alle verdächtig entspannt und gelassen wirkten. Später begriffen Svenja und ich, dass die Einnahme gewisser Substanzen scheinbar die einzige Möglichkeit war, um sich in diesem Hostel einigermaßen wohl zu fühlen.

Angekommen in Perth.

Nachdem wir eine Stunde gewartet hatten, bekamen wir dann endlich den Schlüssel für unser Zimmer, sowie die Bettbezüge (das Beziehen unserer Schlafplätze war wohl nicht im Preis mit inbegriffen). Es bestand auch die Möglichkeit, Second-Hand Handtücher für 5$ pro Stück zu leihen, wovon uns der Betreiber des Hostels allerdings abriet. Stattdessen meinte er, wir sollen uns lieber ein eigenes Handtuch im Discounter kaufen. Danke für den Tipp, ansonsten hätte ich bei diesem verlockenden Angebot doch glatt zugeschlagen!

Bepackt mit unserem Gepäck und den Bettbezügen, bahnten wir uns also einen Weg an unseren schlafenden und merkwürdig in die Luft starrenden Mitbewohnern vorbei. Da wir ohnehin keine hohen Erwartungen hatten, waren wir auch nicht sonderlich überrascht, als wir einige Momente später die Tür des Vierbettzimmers öffneten und einen verstaubten, muffigen Raum betraten. Zwei klapprige Stockbetten und ein mit Bier befüllter Schrank befanden sich in dem Zimmer, während der Boden übersäht mit Klamotten war.

Äußerst gemütlich und komfortabel!
Der einzige Schrank im Zimmer war bereits besetzt!
Wie sollte es auch anders sein, waren die Matratzen unseres Hochbettes natürlich voller Flecken und anderen Spuren, auf die ich hier nicht genauer eingehen werde. Wir beschlossen, uns keine weiteren Gedanken darüber zu machen, sondern unsere Betten rasch zu beziehen, um so schnell wie möglich in die Stadt zu kommen. Immerhin hatten wir nur einen halben Tag Zeit, um Perth zu erkunden!

Der Duftbaum am Fenster hat die Situation auch nicht mehr gerettet. (Zitat Svenja: „Da hilft nicht einmal mehr Lametta!“)

Bereits von Anfang an fiel mir auf, dass die Farben in Perth irgendwie anders aussahen, als beispielsweise in Sydney. Für mich wirkte es so, als hätte man einen Filter auf die Stadt gelegt, der die Farben wesentlich cremiger wirken ließ. Vielleicht lag es aber auch nur an der Sonne, die an dem Tag besonders stark geschienen hat.

Weißt du, welchen Farbfilter ich meine?
Im Gegensatz zu Sydney, war es in Perth wesentlich ruhiger und bei weitem nicht so überfüllt. Wir schlenderten durch nette kleine Einkaufsstraßen und liefen zum Elizabeth Quay, einem beeindruckenden Hafenviertel von Perth. Hier befinden sich viele Restaurants und Bars, ein Wasserpark, ein Inselspielplatz, öffentliche Kunstwerke, sowie eine Fußgängerbrücke, von welcher man einen tollen Blick auf den Swan River hat. Insgesamt waren wir so begeistert von der Stadt, dass uns das ranzige Hostel auch gar nicht mehr so viel ausmachte. Na ja, zumindest so lange bis dann die Nacht anbrach …
Der Hafen vom Elizabeth Quay.
Irgendwo dort auf der Fußgängerbrücke stehe ich 🙂
Jet Skis können hier auch gebucht werden!
Die erste Hälfte der Nacht konnte ich erstaunlich gut schlafen. Bis ich plötzlich aufschreckte, als das Geräusch einer Säge oder eines Maschinengewehres ertönte. Panisch schaute ich mich um und machte mich bereits darauf gefasst zu fliehen. Dann realisierte ich jedoch, dass sich nichts dergleichen in meiner Nähe befand. Stattdessen stammte das Geräusch von unserem Bettnachbarn, der tief und fest schlief, und – durch sein unnormal starkes Schnarchen – auch jeden davon wissen ließ. Meine unzähligen Methoden den Typen zu wecken (ich habe den Alarm meines Weckers abgespielt, ihn mit einer Taschenlampe angeleuchtet und mit einem Schuh abgeworfen) haben alle nichts gebracht, weshalb ich letztendlich nur noch hoffen konnte, dass die Nacht schnell vorbei gehen würde.
Wie schön ruhig es zuvor doch noch am Tag gewesen war!

Am nächsten Tag waren wir demnach sehr froh, als wir das Hostel um acht Uhr morgens endlich verließen. Unser Bus würde um neun Uhr am Busbahnhof abfahren, welcher nur einen dreißigminütigen Fußmarsch entfernt lag. Da wir uns die Kosten für einen Uber sparen wollten und uns sicher waren, dass es schon kein Problem sei, knapp zwanzig Kilo Gepäck pro Person zu schleppen, waren wir anfangs noch guten Gewissens. Die Rucksäcke auf dem Bauch und auf dem Rücken gespannt, marschierten wir also los, ohne genau zu wissen, welche Richtung wir eigentlich einschlagen sollten. Denn ja, Svenja und ich besitzen das wunderbare Talent, uns (trotz Navigation) ständig zu verlaufen!! Irgendwie schafften wir es dann aber doch, den Busbahnhof ausfindig zu machen. Wir konnten ihn bereits sehen – das Problem war nur, dass sich zwischen uns und unserem Ziel eine stark befahrene vierspurige Straße ohne Ampel oder Zebrastreifen befand, die wir zuvor überqueren mussten. Während wir also auf eine gute Gelegenheit warteten, um die Straße zu passieren, tickte die Uhr immer lauter. Zehn vor – sieben vor – fünf vor – und schließlich war es drei Minuten vor neun Uhr, als wir es endlich schafften, die Straße halbwegs sicher zu überqueren. Um exakt neun Uhr betraten wir den Parkplatz des Busbahnhofs und drei Minuten später befanden wir uns an der Haltestelle. Doch es war keiner mehr da. Der von uns im Voraus gebuchte Bus war um Punkt neun Uhr losgefahren, wie wir einige Momente später von der netten Dame am Schalter erfuhren. Tja, dumm gelaufen und frei nach Murphys Gesetz – Was schiefgehen kann, geht schief!

Svenja in Perth – Immer schön lächeln und positiv bleiben!

Glücklicherweise verlor unser Ticket jedoch nicht an Gültigkeit, sodass wir einfach den nächsten Bus am darauffolgenden Tag nehmen konnten. Dieses Mal bestellten wir allerdings einen Uber und ließen uns dreißig Minuten früher hinfahren, um sicherzugehen, dass wir den Bus nicht noch ein weiteres Mal verpassen würden. Auch entschieden wir uns dazu, für die zusätzliche Nacht kein Hostel, sondern ein Zimmer in einer Privatunterkunft zu buchen. Dieses kostete uns nur zehn Dollar mehr pro Person und war wesentlich komfortabler. Die Unterkunft befand sich im fünften Stock eines Hotels im Kings Park, nur zwanzig Minuten vom Elizabeth Quay entfernt. Hier wohnten wir bei Sam, einem Mann, der ursprünglich aus Alaska stammt. Er ist Meditationsmeister, Besitzer eines Vogels namens Kiwi, und hat zudem als Autor bereits seinen eigenen Roman veröffentlicht. Er erzählte uns seine Lebensgeschichte, die wirklich sehr interessant war. Das ist eine Sache, die ich am Reisen liebe – man lernt auf den unterschiedlichsten Wegen unglaublich spannende und coole Menschen kennen.

Ein kleiner Fluss im Kings Park.
Das Gute an der Tatsache, dass wir den Bus verpasst hatten, war, dass wir noch einen Tag länger Zeit hatten, um Perth zu erkunden. Trotzdem waren wir sehr froh, als wir am nächsten Tag im Bus saßen, welcher dann (um genau neun Uhr) in Richtung Albany losfuhr. Insgesamt waren wir sechs Stunden unterwegs. Der Busfahrer schien es währenddessen sehr eilig zu haben, denn bis auf einen fünfzehnminütigen Zwischenstopp, hatten wir für Pausen keine Zeit. Gegen 15 Uhr erreichten wir schließlich die Bushaltestelle in Albany, von wo aus die Farmbesitzer der Ziegenfarm uns abholen wollten. Als wir aus dem Bus ausstiegen, war noch niemand da. Stattdessen erhielten wir eine Nachricht, in der stand, dass wir in dem nahegelegenen Supermarkt für eine Woche einkaufen sollten. Gesagt, getan. Während Svenja als erstes den Laden betrat, wartete ich in der Zwischenzeit am Eingang, um dort auf unser Gepäck aufzupassen. Derweil wurde ich von einem betrunkenen Obdachlosen angesprochen, der wissen wollte wo ich herkam und was ich in dem Supermarkt kaufen wollte, sowie von einem kleinen Kind, welches mich fragte, warum ich so viel Gepäck bei mir hatte. Außerdem stand auf dem Parkplatz ein Truck, an dessen Steuer ein älterer Mann saß, der mich unentwegt mit grimmiger Miene anstarrte. Ich hoffte sehr, dass dies nicht der Farmbesitzer sein würde. Als dann im nächsten Moment ein weißes Auto auf dem Parkplatz gefahren kam und die Fahrerin des Wagens mir strahlend zuwinkte, atmete ich erleichtert auf. Wie ich in dem Augenblick bereits vermutete, stellte sich heraus, dass dies die Farmbesitzerin war. Gemeinsam verluden wir unser Gepäck in den Kofferraum und nachdem wir mit unseren Lebensmitteleinkäufen fertig waren, machten wir uns auf dem Weg zum Second-Hand Shop. Hier kauften wir unsere Arbeitskleidung – karierte Männerhemden, viel zu große Arbeitshosen, sowie gebrauchte Schuhe für den Hof. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir mit diesen Outfits einen neuen Modetrend in Deutschland schaffen könnten!
Iced Long Black mit Mandelmilch für mich und ein Cappuccino für Svenja 😀 In den nächsten Wochen wird es das nicht mehr geben …
Die Ziegenfarm befand sich noch einmal eine dreißigminütige Autofahrt von Albany entfernt. Als wir dort ankamen, wurde es bereits dunkel. Wie die ersten Wochen auf der Farm verlaufen sind, werde ich im nächsten Beitrag berichten! Bis dahin würde mich interessieren, ob du vielleicht auch schon Erfahrungen in Farmarbeit gesammelt hast? Schreib es gerne in die Kommentare 🙂

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11 Kommentare

  1. Also Erfahrungen mit Farmarbeit habe ich bisher nicht, aber ich kann behaupten, mal eine exotische Spinne für einige Stunden mit mir herumgetragen zu hsben- zählt das auch? 🙂

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    • Na ja, ausnahmsweise 😀 Aber nur weil du es bist!!

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  2. Zumindest konntet ihr länger in Perth bleiben, die Stadt sieht wirklich schön aus 😀
    Auf einer Farm habe ich auch noch nie gearbeitet, nur ein paar Mal bei Ausflügen auf Bauernhöfe Kühe gemolken oder ähnliches. Bin gespannt wie es dir auf der Ziegenfarm gefallen wird 🙂

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    • Danke, ich werde berichten 🙂

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  3. Wow, ich finde es richtig großartig, was du machst!
    So viel Mut, Neugier und Lebenslust – dass du dich auf dieses Abenteuer eingelassen hast, verdient meinen größten Respekt. Es ist einfach inspirierend zu sehen, wie du neue Wege gehst, Dinge ausprobierst und Erfahrungen sammelst, die dich ein Leben lang begleiten werden.

    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute auf deiner Reise – bleib gesund, achtsam und pass gut auf dich auf. Und wenn die Zeit kommt, komm wohlbehalten und erfüllt wieder zurück.

    Bis dahin freue ich mich riesig über deine Beiträge und darauf, dich bei deinen Abenteuern aus der Ferne begleiten zu dürfen! 🌍✨

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    • Danke für deinen lieben Kommentar! Das freut mich so sehr zu hören!! <3

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    • Hallo merle….super deine Dokumentation ich hoffe es geht dir gut. Ganz lieben gruss die Tanni🥰

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      • Hey, ja es geht mir gut! Dankeschön 🙂

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  4. Wunderbar, liebe Merle. Immer wieder sehr interessant, deine Berichte zu lesen. Du hast Talent zum Schreiben.
    Pass auf dich auf und sei behütet.

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      • Hallo Merle. Ich gratuliere dir recht herzlich zum Geburtstag und wünsche dir alles Gute, wo auch immer du dich grad befindest
        Herzlichst Hiltrud 😚

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