Challenge accepted!
Die ersten beiden Wochen in Sydney waren sehr aufregend gewesen. Ich habe die Zeit genutzt, um die Stadt kennenzulernen, neue Kontakte zu knüpfen und mich an meine neue Umgebung zu gewöhnen. Mittlerweile würde ich von mir behaupten, dass ich mich schon ziemlich gut in Sydney zurechtfinde. Zumindest brauche ich mein Handy inzwischen nicht mehr, um zu wissen, welche Metro ich nehmen muss, um wieder zurück zur Unterkunft zu finden. 😀

Haltestellen für die öffentlichen Verkehrsmittel findet man hier in nahezu jeder Straße.
Doof nur, dass ich (sowie auch die beiden Chinesen und der Typ aus Wales, mit welchen ich bis dato zusammengelebt habe) meine Unterkunft in Norwest nach knapp zwei Wochen wieder verlassen musste. Über die Ferien war das komplette Haus von einer Freundesgruppe gebucht wurden, die dort zusammen Ostern feiern wollten. Also packte ich meine Sachen (dabei stellte ich mal wieder fest, dass ich viel zu viel Zeug habe) und fuhr zu einem Vorort in der Nähe des Flughafens, wo ich für die nächsten Wochen leben würde. Zuvor hatte ich lediglich ein Bild von meinem Zimmer gesehen und wusste, dass ich mir das restliche Haus mit einem indischen Pärchen teilen würde, welches bereits seit vier Jahren dort wohnt. Ich dachte mir nichts dabei, sondern freute mich lediglich über den günstigen Preis und die zentrale Lage.

Die neue Unterkunft befindet sich in unmittelbarer Nähe des Flughafens. Dieses Foto habe ich während meiner Laufrunde gemacht.
Angekommen in der neuen Unterkunft, kam dann der Schock. Als erstes stellte ich fest, dass ich gar nicht wirklich in einem Haus wohnen würde, sondern in einer Art ausgebauten Garage, welche sich im Hinterhof befand. Mein „Zimmer“ lag direkt neben dem des Pärchens, welches allerdings nicht zu Hause war, als ich dort ankam.
Vorsichtig stieß ich die Garagentür auf. Ein unangenehmer Geruch kam mir entgegen. Ich rümpfte die Nase und setzte den ersten Fuß über die Schwelle, nur um kurz darauf erleichtert auszuatmen. Mal abgesehen von dem Geruch, war es ein wenig kalt in dem „Zimmer“. Doch ansonsten war es ganz in Ordnung. Ich hatte ein Bett (es war zwar ziemlich hart und ich musste die Bettwäsche wechseln, weil die vorhandenen Bezüge Flecken hatten, aber mal abgesehen davon war es ok), einen großen Schreibtisch und einen kleinen Kühlschrank. Vollkommen ausreichend für eine Person, dachte ich mir, während ich meinen Rucksack abstellte.

Eigentlich hatte ich geplant, meinen Nachmittag im Park zu verbringen.
Der Schock kam jedoch, als ich das Badezimmer und die Küche betrat, die sich gegenüber in einer weiteren ausgebauten Garage befanden. Als erstes flogen mir gefühlt tausend Mücken, sowie ein heftiger Gestank nach altem Öl entgegen, wovon mir sofort schlecht wurde. In der Küche lagen schmutziges Geschirr, Töpfe und Pfannen, sowie Essensreste herum. Die Arbeitsplatte hatte wohl auch schon lange keinen Putzlappen mehr gesehen, dafür jedoch ein paar Kakerlaken, die sich dort scheinbar sehr wohl fühlten. Ich wusste sofort, dass ich in der Küche nicht kochen würde, traute mich aber dennoch, einen Blick in den Kühlschrank zu werfen – nur um es kurz darauf bitter zu bereuen. Mir offenbarte sich nun der Anblick von verdorbenen Lebensmitteln und unzähligen Gläsern, in denen undefinierbares Zeug zu sehen war. Ehrlich gesagt möchte ich gar nicht wissen, was oder eher gesagt wer sich darin befand. Schnell schloss ich die Tür des Kühlschranks demnach wieder und hoffte, dass wenigstens das Badezimmer einigermaßen sauber sein würde.

So sah es in dem Kühlschrank NICHT aus. Diese Köstlichkeiten gibt es stattdessen in der Stadtbibliothek von Sydney.
Dreißig Sekunden später, verflog diese Hoffnung dann auch schon wieder. Beim Waschbecken und in der Dusche befand sich Schimmel, der Boden war verdreckt und an der Toilette waren braune und gelbe Spuren zu sehen. Es gab auch kein Klopapier, keine Seife und kein Handtuch. Für einen kurzen Moment stand ich einfach nur da und versuchte zu begreifen, wie man so leben konnte. Dann drehte ich mich um, ging zurück in mein „Zimmer“, ließ mich auf mein hartes Bett fallen und hätte am liebsten geheult.
Ich war mir sicher, dass ich es hier nicht eine einzige Nacht aushalten würde und dachte bereits darüber nach, einfach zu gehen und mir ein neues Apartment zu suchen. Die Tatsachen, dass ich diese Unterkunft allerdings schon bezahlt hatte und das mir bewusst war, dass man unter dem Einfluss von starken Emotionen lieber keine voreiligen Entscheidungen treffen sollte, hielten mich schlussendlich davon ab. Wenige Minuten später hatte ich mich dann auch schon wieder beruhigt. Ich setzte mich auf mein Bett, atmete tief durch und überlegte dann, was ich tun könnte, um meine Lage zu verbessern. Schnell kam ich zu dem Entschluss, dass mir wohl nichts anderes übrigbleiben würde, als einen Großputz zu starten. Problem war nur, dass das indische Pärchen (bis auf ein paar dreckige Lappen, einen fusseligen Feudel und einen Eimer, der (wie ich bemerkte, als ich ihn mit Wasser befüllte) ein Loch hatte) scheinbar keine Putzsachen besaß. Also lief ich insgesamt dreimal zum ungefähr einen Kilometer entfernten Supermarkt, bis ich alles Notwendige zusammen hatte, um zumindest für ein bisschen Sauberkeit zu sorgen. Nachdem ich fertig war, sah es immer noch nicht gut aus, aber immerhin gut genug, dass ich es wagte, die Toilette zu benutzen.

Aus dem Nachmittag im Park wurde dann doch nichts mehr.
Insgesamt habe ich 16 Tage lang in der Unterkunft verbracht. Das Putzen des Badezimmers wurde zu meiner morgendlichen Routine, ebenso wie das Entfernen von Kakerlaken und anderen kleinen Gästen. Ich fühlte mich nicht wohl, aber mit der Zeit wurde es einfacher. Im Nachhinein bin ich froh darüber, diese Erfahrng gemacht zu haben, da ich nun noch mehr zu schätzen weiß, dass ich gelernt habe, einen Haushalt zu führen und zu pflegen! Das ist nicht für jeden selbstverständlich, wie ich in den 16 Tagen feststellen musste …
Den besten Aufmunterungstipp habe ich übrigens von meiner Cousine Svenja bekommen: „Tja Merle, dann musst du jetzt halt mal lernen, im Dreck zu leben!“
Danke Svenja – Challenge accepted! 😀
Und danke an dieser Stelle auch an Marie und Jolina, die sich tagtäglich neue Stories über meiner Unterkunft anhören durften! <3

Sonnenaufgang in Australien 🙂
Während in Deutschland langsam der Frühling eingeläutet wird, macht sich in Australien zunehmend der Herbst bemerkbar. Die Blätter werden bunt und fallen von den Bäumen, ein leichter Wind weht über die Straßen und gelegentlich kommt es zu einzelnen Regenschauern. Ein guter Grund, die Nachmittage (ausgestattet mit einem heißen Getränk und einem guten Buch) in den zahlreichen Cafés der Stadt zu verbringen oder einen Spaziergang durch den Park zu machen. Klingt gemütlich, oder? Der einzige Unterschied zu Deutschland ist, dass die Temperaturen hier immer noch bei um die zwanzig Grad liegen, auch wenn die Sonne nicht mehr ganz so stark ist wie im Sommer. Tagsüber ist es trotzdem noch warm genug, um im Meer baden zu gehen oder sich am Strand in der Sonne zu sonnen. Allerdings wird es gegen Abend tatsächlich ziemlich schnell frisch, was wohl auch damit zusammenhängt, dass die Sonne hier in Sydney sehr früh untergeht – genau genommen um 17:22 Uhr. Morgens ist es um sechs Uhr dann wieder hell, was mich als Frühaufsteher natürlich sehr freut.

Herbstlicher Spaziergang durch den Hyde Park.
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich erst einmal auf die Jobsuche zu konzentrieren und erst an Aktivitäten teilzunehmen, sobald ich ein wenig Geld verdienen würde. Aufgrund der Tatsache, dass es in den nächsten Wochen sehr viel regnen soll, ich aber unbedingt noch eine Tour durch die Blue Mountains bei Sonnenschein machen wollte, habe ich letztendlich dann doch einen geführten Trip durch die Berge gebucht.

Bei Sonnenschein hat man in den Blue Mountains die beste Sicht!
Los ging es am Samstag, den 12. April um 07:30 Uhr in der George Street. Hier sollte ich in der Nähe einer roten Tür auf meinen Tourguide sowie die restlichen Teilnehmer warten. Es war noch ziemlich frisch an diesem Morgen, weshalb ich froh war, mir einen Pullover drübergezogen zu haben. Ich war ein wenig zu früh da und verbrachte meine Wartezeit damit, die vielen verschiedenen Menschen zu beobachten, welche an mir vorbeiliefen. Manche von ihnen genossen die morgendliche Ruhe mit einem Kaffee in der Hand, andere waren offensichtlich spät dran und liefen hastig die Straße hinauf, und wieder andere trugen Joggingschuhe und waren dabei, ihre sportlichen Kilometer zu sammeln.
Nach einer Weile näherten sich mir allmählich ein paar Menschen, deren Blicke allesamt angestrengt von ihrem Handy zu dem Gebäude hinter mir wanderten. Genau wie ich, stellten sie dann nach und nach mit einem zufriedenen Lächeln fest, dass die rote Tür tatsächlich existierte und sie den Treffpunkt für die Tour in die Blue Mountains gefunden hatten. Pünktlich um 07:30 Uhr tauchte dann auch der Tourguide, eine blonde Frau namens Shannon, auf, begrüßte uns und öffnete uns die Türen des Busses, mit welchem wir in die Berge fahren würden.

Auf gehts in die Berge!
Im Bus setzte ich mich zu einer jungen Frau, die sich mir als Francesca vorstellte. Sie kommt ursprünglich aus Italien, lebt aber seit fünf Jahren in London, wo sie bei einer Familie als Nanny arbeitet. Während der Busfahrt erzählte sie mir, dass ihr die Arbeit als Nanny keinen Spaß mehr mache und sie daher nebenbei gerade dabei ist, Planungen zu entwerfen, um in Zukunft ihr eigenes Business starten zu können. Ich fand die Unterhaltung mit Francesca sehr inspirierend und hoffe sehr für sie, dass sie ihre Ideen schon sehr bald in die Realität umsetzen kann.

Die Wentworth Falls in den Blue Mountains.
Die Wanderung durch die Blue Mountains umfasste einen ungefähren Zeitrahmen von zwei Stunden. Es ging unzählige Treppenstufen rauf und wieder runter. Doch egal wo wir auch stehen blieben, die Aussicht war stets fantastisch.

Unbeschreibliches Gefühl hier oben zu stehen!
Francesca und ich haben darüber gesprochen, dass, hier oben zu stehen und auf die unendlichen Weiten der Berge und Täler hinabzusehen, ein Gefühl von Ehrfurcht auslöst und einem zu erkennen gibt, wie unwichtig jeder einzelne Mensch von uns genau genommen ist. Oftmals sind wir so versunken in unseren Problemen und Sorgen, dass wir vergessen, was für ein winziger Punkt auf dem gesamten Zeitstrahl der Menschheitsgeschichte wir eigentlich sind. Ich denke daher, dass es wichtig ist, das Leben nicht immer so ernst zu nehmen, sondern einfach mal darauf zu vertrauen, dass das Universum es gut mit uns meint.

„Das Leben findet einen Weg.“
– Ian Malcolm



Die Berg-Bilder sind richtig schön! 🏞️💚
Yess 🙂
Dreck den man nicht sieht ist sauber
Doof nur, dass ich eine sehr starke Brille habe!
Einfach toll und sehr interessant geschrieben.
Freu mich schon auf deinen nächsten Bericht!