Traralgon schlägt zurück - Ein Padawan auf Abwegen
Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Als ich in Traralgon um die Ecke bog und diese zwei AT-AT-Figuren in einem Vorgarten thronen sah, hielt ich das für einen vielversprechenden Prolog. Ich dachte, ich hätte ein Easter Egg vom Skript meines Lebens gefunden. Und als ich dann auch noch einem kleinen Jungen namens Anakin begegnete, war ich mir sicher: Das kann kein Zufall sein!
Ein paar Tage später wusste ich: Es war auch kein Zufall, es war eine Warnung! Und ich war der ahnungslose Hauptprotagonist in einer Geschichte über den Fall eines Imperiums. In Traralgon schlägt die Realität nämlich nicht nur zurück, sie lügt dir auch direkt ins Gesicht.
Am besten beginne ich dort, wo ich das letzte Mal aufgehört habe:
Meine Reise ging nun also weiter ins Gippsland, eine ländliche Region des Bundesstaates Victoria. Zuvor habe ich bereits einige interessante Geschichten über mein nächstes Ziel Traralgon, sowie den beiden Nachbarorten Morwell und Moe gehört. Anfangs dachte ich mir nicht viel dabei, doch bereits als ich im Zug saß und die Passagiere sah, die an den Haltestellen von Moe und Morwell eingestiegen sind, verstand ich langsam, warum gesagt wird, dass man sehr aufgeschlossen und offen sein muss, um sich in dieser Gegend wohlzufühlen. Dennoch versuchte ich nicht allzu viel darüber nachzudenken. Ich war schließlich wegen des Restaurant – Jobs hier, und nicht, um neue Freunde zu finden.
Nach meinen letzten Erfahrungen bezüglich scheinheiliger Vereinbarungen in Geelong, habe ich dieses Mal doppelt nachgefragt, ob die besprochenen Abmachungen auch wirklich so umgesetzt werden können. Seitens des neuen Chefs, war die Antwort darauf ein klares ja! Die Bedingungen besagten, dass ich für mindestens sechs Monate in dem Restaurant arbeiten dürfte – 30 Stunden die Woche, 26 $ die Stunde und ein eigenes Zimmer in einer kostenlosen Unterkunft, die ich mir mit einem Chinesen mittleren Alters teilen würde. Klang soweit alles in Ordnung und ich hoffte daher sehr, dass es dieses Mal gutgehen würde.
Bereits vor meiner Ankunft, geschah dann allerdings schon die erste Sache, die ein wenig merkwürdig war. Der Restaurantbesitzer schickte mir eine Nachricht, in der er mir mitteilte, dass ich für die ersten Tage in einem Motel untergebracht werden würde. Grund dafür war, dass mein Zimmer in dem Haus noch nicht einzugsbereit sei. Ich war ein wenig irritiert über diese Info und stellte mir die Frage, warum es so lange dauerte, um ein einzelnes Zimmer fertig zu machen. Da der Restaurantbesitzer mir jedoch versicherte, dass er für das Motel zahlen würde, nahm ich es einfach so hin und ignorierte meine Skepsis.
Angekommen in Traralgon verliefen die ersten Tage erst einmal ganz gut. Die Arbeit im Restaurant machte mir Spaß, die Kollegen waren nett und die Stadt selber war auch nicht ganz so schlimm, wie ich befürchtet hatte. Nur der Restaurantbesitzer war ein wenig gewöhnungsbedürftig. Sein Humor bestand daraus, andere Leute permanent zu beleidigen und runterzuziehen. Das hatte auch nichts mehr mit Sarkasmus zu tun, sondern war einfach nur respektlos. Aber da ich grundlegend keine Person bin, die sich Beleidigungen und dumme Bemerkungen zu Herzen nimmt, war es mir egal und ich konzentrierte mich stattdessen auf die Gäste, sowie meine Aufgaben im Restaurant.
Wie gesagt, war ansonsten alles okay – bis zu dem Tag, an dem ich in das neue Haus ziehen sollte. Hier folgte die zweite Sache, die mir ein komisches Bauchgefühl verlieh – es stellte sich heraus, dass mein neuer Mitbewohner kein Chinese mittleren Alters, sondern ein ehemaliger Mitarbeiter des Restaurants war, dessen Wurzeln ganz offensichtlich nicht aus China stammen. Und ich würde mal behaupten, dass man mit vierunddreißig auch noch nicht von einem mittleren Alter sprechen kann. Im eigentlichen ist das ja alles gar nicht schlimm, wäre da nicht die Tatsache gewesen, dass ich mich irgendwie nicht wohlgefühlt habe. Ich kann auch nicht beschreiben warum, aber mein Gefühl sagte mir einfach, dass ich hier nicht sein möchte. Und ich denke, das reicht vollkommen als Begründung aus! Eigentlich. Ich entschied mich trotzdem zu bleiben. Immerhin gefiel mir die Arbeit im Restaurant, was schließlich der Hauptpunkt gewesen war, weshalb ich hergekommen bin. Ich lernte, wie man ein volles Tablett mit einer Hand serviert, wie das Bestellsystem mit dem iPad funktioniert, und wie man die vielen verschiedenen italienischen Gerichte der Speisekarte richtig ausspricht. Es lief ganz gut, bis mein Chef plötzlich anfing, mich jeden Tag früher nach Hause zu schicken, obwohl meine Schicht immer später startete, als die der anderen. Nach kurzer Zeit wurden mir dann auch ganze Arbeitstage gestrichen, mit der Begründung, dass es momentan sehr „ruhig“ im Restaurant sei. Schon in der dritten Woche, habe ich insgesamt nur noch sechs Stunden gearbeitet. Als ich meinen Chef fragte, wann ich endlich wieder mehr Schichten bekommen könnte, sagte dieser nur, dass momentan nicht viel los sei und sich dies in nächster Zeit auch nicht ändern würde. Am Ende der Woche schickte er mir nicht einmal mehr einen Arbeitsplan. Stattdessen bekam ich einfach nur eine Nachricht per SMS, in der ihr mir schrieb, dass er keine Arbeit mehr für mich hat und ich bitte meine Schürze und mein T-Shirt zurück zum Restaurant bringen soll. Wirklich überrascht war ich nicht gewesen, blöd angefühlt hat es sich dennoch. Im Nachhinein stellte ich übrigens auch fest, dass mein Chef mir die ganze Zeit über, weniger als 25 $ die Stunde gezahlt hatte …
Na ja, wie auch immer – es hatte ohnehin keinen Sinn, sich darüber aufzuregen. Dinge passieren, und manchmal läuft es gut und manchmal eben auch nicht. So ist das Leben. Auf mein letztes Gehalt (welches er mir einfach nicht mehr überwiesen hatte) wollte ich dennoch nicht verzichten, weshalb ich beschloss, den Restaurantbesitzer persönlich darauf anzusprechen. Und nun folgt der Moment, in dem ich mich wirklich gefragt habe, ob manche Menschen schlichtweg über kein Gewissen verfügen: Als ich das Restaurant betrat, um meine Arbeitskleidung zurückzubringen und die fehlende Bezahlung zu fordern, kam zeitgleich ein Mädchen durch die Tür, das scheinbar ebenfalls mit dem Chef sprechen wollte. Wir standen nun also beide vor dem Restaurantbesitzer, der uns mit emotionsloser Miene musterte. Ich gab ihm meine Schürze und mein T-Shirt zurück und sagte, dass er mir noch das Geld für die letzte Woche überweisen müsse. Daraufhin nahm er die Kleidung entgegen und gab diese dann stumpf an das andere Mädchen (mit der Erklärung, dass dies ihre Arbeitsuniform sei) weiter. So viel also zum Thema, dass es momentan nicht genug Arbeit im Restaurant gibt.
Einen Tag später habe ich Traralgon verlassen. Ich hätte noch zehn Tage kostenfrei in dem Haus wohnen können, aber ehrlich gesagt war es mir das nicht wert. Im Nachhinein habe ich dann übrigens von einer Kolumbianerin, die zeitgleich mit mir in dem Restaurant angefangen hatte zu arbeiten, erfahren, dass der Chef behauptet hat, er hätte mich gekündigt, weil ich zu viele Fehler gemacht habe. Witzig, dass er das mir gegenüber nie erwähnt hat! 😀 Die Kolumbianerin arbeitet mittlerweile auch nicht mehr in dem Restaurant. Laut dem Restaurantbesitzer war sie zu langsam und außerdem hat es ihm nicht gepasst, dass sie nach zwei Wochen mit jeweils 8 Stunden Arbeit, das Menu noch nicht auswendig kannte. Wirklich dramatisch!
Trotz allem bin ich dennoch dankbar, die Erfahrung in Traralgon gemacht zu haben. In einem kleinen Café in der Stadt fand ich zwischen all dem Chaos eine Postkarte, die direkt an der Kasse klebte. Darauf stand: „All things are difficult, before they become easy.“ Manchmal landet man eben zuerst in den Sümpfen von Dagobah, bevor man lernt, die Macht zu nutzen. Auch wenn das Imperium einmal zurückgeschlagen hat, bin ich jetzt bereit für mein eigenes „Return of the Jedi“.
Mir ist übrigens erst beim Schreiben dieses Berichts aufgefallen, dass ich in Traralgon nur ein einziges Foto gemacht habe: Die zwei AT-ATs, die stumm im Vorgarten wachen. Zumindest beweist das Bild, dass ich die dunkle Seite der Macht überlebt habe! ![]()

Möge die Macht beim nächsten Mal mit mir sein.



Merle jak czytam Twoje blogi to zapiera dech w piersiach co to będzie dalej Gratuluję odwagi jesteś wspaniała życzę Ci dużo zdrówka i szczęścia 🥰
Dziękuję, Alina!! ❤️❤️
Dennoch nervig, dass man erst durch schlechte Erfahrungen durch muss. Aber dadurch schätzt man die guten Ereignisse wieder mehr. Hoffe deine nächste Etappe wird wieder besser.
Jaa, bestimmt! 🙊