Angst ist ein Teil von Mut
Mein Papa hat früher immer gesagt, dass Angst ein schlechter Begleiter ist. Ich glaube, das stimmt irgendwie auch. Zumindest wenn man zulässt, dass die Angst einen auf seinem Weg permanent verfolgt und zu einem zweiten Schatten wird, der selbst in tiefster Dunkelheit noch sichtbar bleibt. Niemand mag das Gefühl von Angst. Ich glaube, genau aus diesem Grund, ist der Mensch auch dazu geneigt, die Angst zu umgehen und stets im sicheren Licht der Sonne zu wandeln. Und das ist auch gut so. Denn diese Sicherheit ermöglicht es uns, in Ruhe unsere Gedanken sortieren zu können, sowie mithilfe von Strukturen und wiederkehrenden Muster unseren Geist und Körper zu entspannen, sprich einen Komfort zu schaffen.
Manchmal ist es jedoch wichtig, die sichere Komfortzone zu verlassen und die Angst zu akzeptieren, die dort draußen bereits wartet und einem den Weg versperrt. Oftmals lohnt es sich sogar, die Angst zu begrüßen und sie genauer zu betrachten. Häufig stellt man währenddessen nämlich fest, dass die Angst gar nicht so bedrohlich wirkt wie es zunächst scheint, und eigentlich sogar ein recht freundliches Gesicht hat. Gestattet man ihr dann auch noch, eine kleine Unterhaltung zu führen, macht die Angst einem oftmals schon von ganz allein den Weg frei. Denn mit sinnvollen Konversationen haben Ängste es in der Regel nicht so.
Was ich damit sagen will, ist, dass, sobald wir an der Angst vorbeigeschritten sind beziehungsweise sie überwunden haben, ergibt sich vor uns ein Pfad mit hunderten von Abzweigungen, die allesamt zu den erstaunlichsten Orten führen können, welche wir nie entdeckt hätten, wären wir ein Leben lang in unserer Komfortzone geblieben. Auch ich wollte wissen, wohin mich diese neuen unbekannten Wege führen würden, weshalb ich mich dazu entschlossen habe, ein völlig neues Kapitel – eine weiße leere Seite – in meinem Leben aufzuschlagen. Dieses Kapitel heißt Australien und es hat gerade erst begonnen.

Von hier oben sieht alles so viel kleiner aus.
Nachdem ich Australien im Februar 2024 das erste Mal besucht habe, wusste ich sofort, dass dies nicht meine letzte Reise nach Down Under gewesen sein sollte. Auf dem Rückflug saß ich in Brisbane am Flughafen und schaute ein wenig neidisch zu zwei Französinnen, ungefähr im selben Alter wie ich, die mit ihren vollgepackten Backpacks dastanden und offenbar eine Menge Abenteuer erlebt hatten, was ich zumindest aus ihren lebhaften Gesprächen entnahm. Sofort kam mir der Gedanke, wie gerne ich doch länger in Australien geblieben wäre. Nicht nur als Tourist. Nein, ich wollte wissen, wie es ist, in dem Land zu leben und dort zu arbeiten, während man zeitgleich von wunderschöner Natur, strahlend blauem Meer und einem positiv gestimmten Naturell umgeben ist. Ich dachte darüber nach, was ich am meisten vermissen würde, wenn ich Deutschland verlassen würde und kam dabei auf diese drei Dinge:
- Meine Wohnung
- Den Fischteichweg
- Erbsenwaffeln
Ich schaute mir diese Liste an und stellte schnell fest, dass ich am Ende meines Lebens nicht sagen wollte, dass ich mich damals gegen eine langfristige Reise nach Australien entschieden habe, nur wegen ein paar überteuerten Proteinwaffeln und einem Waldweg, auf dem ich gerne spazieren ging. Na gut, zugegeben, die Vorstellung, mich von meiner Wohnung zu trennen, fiel mir schon ein wenig schwerer. Es war eine geräumige, 68 Quadratmetergroße Neubauwohnung mit Balkon, die ich ganz für mich alleine hatte. Aber jemand sagte mal zu mir, dass eine Wohnung letztendlich auch nur Mauern waren. Und Mauern sind bekanntlich zum Einreißen da. Dementsprechend gab es also nichts mehr, was mich noch aufhalten könnte. Ich kündigte meinen Job, löste meine Wohnung auf und zog zu meinen Eltern zurück. Die letzten Wochen vor der Abreise waren mit sehr viel Arbeit verbunden – ich hätte niemals gedacht, dass ich vier große Umzugskartons nur mit (wichtigen!) Notizheften, Büchern und Schreibsachen füllen würde – aber letztendlich war es geschafft. Und nachdem ich mit meiner Cousine Svenja noch einmal den Fischteichweg entlangspaziert war, mir einen Proviant an Erbsenwaffeln für den Flug eingepackt und meine Wohnungstür ein letztes Mal abgeschlossen hatte, ging es am 29.03.2025 dann endlich los!

Endlich angekommen in Sydney!
Angekommen in Sydney, war es bereits dunkel und es nieselte ein wenig. Dennoch roch die Luft genauso süß wie ich sie in Erinnerung hatte und auch das vertraute Geräusch der australischen Vögel war zu hören (in Australien singen die Vögel nicht, stattdessen geben sie Töne von sich, die absolut genauso klingen, als ob ein Mensch „RAA-RAA“ oder „PIEP-PIEP“ sagen würde).
Für die ersten zwölf Nächte hatte ich mir eine Unterkunft in Norwest – einem Vorort Sydneys gebucht. Hier hatte ich mein eigenes Schlaf- und Badezimmer. Den Rest des Hauses teilte ich mir mit einem Studentenpärchen aus China und einem Typen aus Wales, der ebenfalls mit dem Working-Holiday-Visum nach Australien gereist war. Wir waren eine ruhige und entspannte Truppe und ich fühlte mich in der Unterkunft sehr wohl.

Hier habe ich die ersten Tage gewohnt.
In den ersten Tagen musste ich unter anderem langweiligen Papierkram erledigen, wie etwa ein australisches Bankkonto eröffnen und meine TFN (Tax File Number) beantragen. Dies ist eine australische Steuernummer, die man haben muss, um in dem Land arbeiten zu dürfen. Außerdem habe ich Bewerbungen geschrieben, die ich in sämtlichen Restaurants, Cafés und Shops in der Stadt verteilt habe, in der Hoffnung, so schnell wie möglich einen Job zu finden. Meinen Plan, nach spätestens fünf Tagen arbeiten gehen zu können, schmiss ich übrigens ganz schnell wieder über Bord. Zwar wusste ich bereits, dass es momentan nicht leicht ist, einen Job in Australien zu bekommen, doch dass es so schwierig ist, hätte ich nun auch nicht gedacht! 😀
Nichts desto trotz fühle ich mich richtig wohl in Sydney! Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken, dass ich ehrlich gesagt gar nicht so genau weiß, auf was ich als erstes eingehen soll. Es gibt hier einen Stadtviertel der Barangaroo heißt, an dem eine tolle Strecke zum Laufen und Spazierengehen am Wasser entlangführt. Als ich das erste Mal dort langgelaufen bin, habe ich dabei auch zufällig die Drehlocation von „Dance Academy“ entdeckt. Tatsächlich fand an dem Tag gerade ein Auswahlverfahren statt, weshalb sich dutzende Tänzer und Tänzerinnen vor dem Gebäude befanden und sich warm gemacht haben.

Von Barangaroo aus, kann man auf diesem Weg bis zum Circular Quay laufen.

Unfassbar schön und strahlend – die Harbour Bridge 😀

Hier fanden die Dreharbeiten zu der Serie „Dance Academy“ statt.
Der Circular Quay ist ein guter Ausgangspunkt, um alle wichtigen Orte in Sydney zu erreichen. Von hier aus fahren Busse und Züge in alle möglichen Stadtteile, und mit der Fähre ist man innerhalb von zwanzig Minuten in Manly. Der Strand in Manly hat mir nebenbei bemerkt sogar besser gefallen, als der berühmte Bondi Beach. Jedoch sind beide Strände wirklich sehr schön und bestens zum Surfen geeignet.

Manly Beach

Bondi Beach


Die Harbour Bridge in Sydney
Wie bereits an der Gold Coast, ist mir auch in Sydney aufgefallen, wie sportlich und aktiv die Menschen hier sind. Zu jeder Tageszeit begegnet man Jogger, Radfahrer oder Inlineskater. Am Strand spielen die Menschen Volleyball und im Meer zeigen etliche Surfer ihr Können. Doch selbst inmitten der Innenstadt sieht man immer wieder kleine Squash-Felder, die besonders gerne von Kindern genutzt werden.
Ich habe generell das Gefühl, dass die Menschen hier in Australien glücklicher sind als in vielen anderen Ländern der Welt. Es wird sich keine großen Gedanken um gestern oder morgen gemacht. Die Menschen leben im hier und jetzt, sind freundlich und akzeptieren einander. Arbeit ist hier nur Mittel zum Zweck – die Australier leben nicht, um zu arbeiten. Sie arbeiten, um zu leben. Glücklich zu sein, steht hier an oberster Stelle.

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Am Anfang dieses Beitrages habe ich geschrieben, dass es ab und an gut ist, seine Komfortzone zu verlassen und sich der Angst zu stellen. Ich denke, dass man nur auf diese Weise über sich hinauswachsen und neue wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse für sein Leben sammeln kann. Dabei geht es nicht darum, die Angst zu umgehen, sondern vielmehr, sie zu konfrontieren. Angst ist ein Teil von Mut. Denn manchmal ist es die Angst selbst, die uns die mutigsten Dinge tun lässt.



Diese Geschichte ist der absolute Hammer! War Mega interessant das zu lesen 🙂
Dankeschön Chiara! 🙂
Weiterhin alles gute,..lebe deinen Traum.
Wir lesen fleißig mit.
Alles Liebe von Claudia & Torsten
Das freut mich sehr zu hören! Dankeschön 🙂
Liebe Merle, deiner Art zu schreiben und zu erzählen kann ich nicht widerstehen 🙂 es ist so lebendig. mich fängt die Sehnsucht nach Australien obwohl ich nie da war. Ich wünsche dir weiterhin herzerfrischende Erfahrungen und freue mich auf weitere Erzählungen , mit lieben Grüßen, Gitana
Vielen lieben Dank! 🙂 Ja, Australien ist wirklich ein tolles Land!!
So cool, dass du einfach durchgezogen hast. Und die Liste ist ja wirklich nicht lang, da kann man bestimmt noch andere Liste erstellen, was du an Australien vermissen wirst.
Dance Academy ist auch eine Serie, die ich vor einigen Jahren sehr gerne geguckt habe, wie passend, dass an dem Tag ein Auswahlverfahren statt fand.
Ich hoffe, dass ich so eine Liste nicht machen muss 😀 Ja, war wirklich ein witziger Zufall!
Hallo Merle,
ich finde das MEGA, dass du das so durchziehst! Genieße die Zeit- die Erinnerungen und Erfahrungen kann dir keiner nehmen 😎.
Viel Spaß weiterhin.
Liebe Grüße, Silke und Thomas ( Vallo 😉)
Und du schreibst übrigens wirklich toll!!!
Dankeschön!!! Das freut mich total! :*
Ich bin jetzt nur rein zufällig auf deinen blog gestoßen und wir kennen uns nicht, aber du machst etwas, was mich sehr beeindruckt. Viele Menschen wollen sich verändern, aber finden nie die Stärke oder reden sich ein, dass sie sie nicht hätten, um nichts anders machen zu müssen. Ich weiß auch von mir, dass ich nie so ausbrechen kann, also ist es durch’s lesen fast so, als wäre man dabei. In diesem Sinne: Keep on walking
Ach, ich glaube einfach, dass man manchmal einfach mal machen muss, anstatt immer nur zu denken 🙂 Vielen Dank für deine netten Worte, hab mich sehr darüber gefreut 😀
Hallo Merle. Danke für deinen ausführlichen Reisebericht, interessant geschrieben. Was für ein irres Elebnis. Es freut mich sehr, dass du erstmal gut angekommen bist! Meine Gedanken sind oft bei dir ….. Hoffentlich hast du inzwischen eine Beschäftigung gefunden, die dir gefällt. Später mehr.
Pass auf dich auf, LG Hiltrud
Vielen lieben Dank 🙂