Kapstadt

In Südafrika gibt es einige Dinge, die man beachten muss, wenn man das Land durchreist. So ist es in Großstädten, wie zum Beispiel Kapstadt, in vielen Gebieten nicht üblich, spazieren zu gehen. Der Verkehr ist teilweise so hektisch, dass man nicht einmal bei einer grünen Ampel über die Straße kommt. In unserem Fall musste uns einer der Security-Männer beim Überqueren der Straße behilflich sein, indem er die Autos durch Handzeichen angehalten hat. Security-Männer ist ein gutes Stichwort. Diese sind an ihren neonfarbenen Warnwesten zu erkennen und tatsächlich sieht man sie hier in Kapstadt auch recht häufig. Eddy erklärte uns, dass wir uns an die Security-Männer wenden können, falls wir uns mal unsicher fühlen oder irgendetwas anderes passiert sein sollte. Allgemein kann es hier auf den Straßen ziemlich gefährlich werden, vor allem wenn es dunkel wird. Aufgrund der Armut ist die Kriminalitätsrate sehr hoch. Daher wird empfohlen, das Haus nach Sonnenuntergang nicht mehr zu verlassen.

Die Security-Männer sind an ihren gelben Westen zu erkennen.

Ebenfalls vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht von mindestens einem Obdachlosen angesprochen wird. Meistens bitten sie um eine Kleinigkeit zu Essen. Natürlich kann man nicht immer helfen, aber ab und an haben wir unser Essen geteilt, wenn wir gerade etwas dabeihatten. Eine Situation ist mir hierbei besonders in Erinnerung geblieben – eine abgemagerte Frau kam uns auf wackeligen Beinen entgegen und bat uns um einen Schluck Wasser. Ich gab ihr daraufhin meine angebrochene Wasserflasche und von Marina erhielt sie eine Tüte mit gerösteten Kichererbsen. Mehr hatten wir nicht dabei. Die Frau hat sich jedoch so sehr darüber gefreut, als wäre Weihnachten und Geburtstag zusammen. Ein Moment, wie ich ihn zuvor nur aus Filmen kannte, leider aber in vielen Teilen der Erde bittere Realität ist!

 Trotz der vielen Probleme, die die Menschen in Südafrika haben, versprühen die Einheimischen eine solche Lebensfreude, dass man meinen könne, sie haben die glücklichsten Seelen der Welt!

Und auch Kapstadt selbst ist eine tolle Stadt – hell, freundlich und kunterbunt!

Das Bo-Kaap Viertel ist bekannt für seine bunten Häuser.

Bunte Farben als Ausdruck der Freiheit!

Weißer Strand und blaues Meer – Camps Bay.

An der V&A Waterfront gibt es ein großes Einkaufszentrum.

Außerdem kann man hier gut spazieren gehen!

Mit viel Motivation und Freude, sind Marina und ich den Lions Head hinaufgewandert. Allerdings ist „wandern“ nicht wirklich das passende Wort – vielmehr waren auf dem Weg nach oben unsere Kletterkünste gefragt. Gerade zum Schluss wurde es richtig anstrengend, aber die Mühe hat sich gelohnt. Der Ausblick vom Lions Head war einfach fantastisch! Wir waren sehr stolz auf uns, den Weg (stark wie ein Löwe :D) gemeistert zu haben.

Lions Head wir kommen!

Wir habens geschafft und wurden mit einer wundervollen Aussicht belohnt!

Einen Tag später, sind wir mit dem Mietwagen zum Cape Point gefahren. Dort ging es wieder bergauf für uns, bis hoch zum Leuchtturm. Es waren sehr viele Treppenstufen, wie mich mein Muskelkater vom Vortag wissen ließ. Aber auch hier war die Sicht wieder einmal phänomenal!

Ab hier ging es nur noch bergauf …

Danach ging es auf einem zirka 45-minütigen Pfad weiter zum Kap der guten Hoffnung. Es war ein unbeschreiblich schöner Weg – bis sich uns plötzlich ein sehr gefährliches Tier in den Weg stellte. Und nein, ich spreche hierbei nicht von Löwen, Geparden oder Hyänen. Stattdessen tauchten vor uns mit einem Mal zwei gefiederte Köpfe auf, die nun mit wachsamen Augen in unsere Richtung starrten. Abrupt blieben Marina und ich stehen.

„Wusstest du, dass Strauße richtig gefährlich sind?“, fragte Marina mich im matten Tonfall.

„Ja“, entgegnete ich. „Sie können sogar Löwen töten.“ Dann stockte ich kurz. „Aber ich hab mal gehört, dass die nur angreifen, wenn sie Jungtiere dabei haben. Also alles gut“, fügte ich schließlich heiter hinzu.

„Zum Glück“, sagte Marina lachend und wollte bereits weitergehen, als plötzlich ein Rascheln ertönte. Mit großen Augen tauschten wir einen Blick, als kurz darauf ein kleiner Babystrauß über den Pfad flitzte. Na toll, das hatte gerade noch gefehlt!

Dieser Weg sieht harmlos aus …

Kurz überlegten wir, wieder umzukehren. Doch dann beschlossen wir, dass wir uns nicht von zwei Sträußen davon aufhalten lassen würden, das Kap der guten Hoffnung zu erreichen. Lieber würden wir bei dem Versuch sterben! Das „M“ in Marina und Merle steht für mutig, sagten wir uns. Und so machten wir uns (mehr oder weniger) guten Gewissens auf den Weg.

… doch er steckt voller Gefahren!

Spoiler – wir haben es überlebt! Abseits des Weges, haben wir es irgendwie an den gefiederten Riesenvögeln vorbeigeschafft. Die Tatsache, dass wir denselben Weg nachher auch noch wieder zurücklaufen mussten, ignorierten wir gekonnt.

Angekommen beim Kap der guten Hoffnung, waren wir beide überrascht über die Ruhe, die dieser Ort ausstrahlte. Außer uns waren noch fünf bis sechs andere Wanderer dort. Ansonsten war es ziemlich leer. Ein weiteres Stück unberührte Natur von unfassbarer Schönheit und atemberaubenden Ausblick.

Das Kap der guten Hoffnung!

Niemals die Hoffnung aufgeben! 😉

Einen atemberaubenden Ausblick, soll man auch vom Gipfel des Tafelbergs – der wohl bekannteste Berg Kapstadts – haben. Zehn Minuten … länger hielten wir es dort oben nicht aus. Während unten im Tal zuvor noch dreißig Grad und pralle Sonne herrschten, hatte man 1087 Meter höher das Gefühl, der Tafelberg würde sich in Alaska befinden. Es war kalt und windig, sodass wir nur schnell ein Erinnerungsfoto schossen und dann wieder mit der Gondel nach unten fuhren. Schlimm fand ich es aber nicht, da ich den Lions Head ohnehin viel schöner fand.

Die Aussicht vom Tafelberg. Hinten links kann man das Stadion sehen, indem 2010 die Fußball-WM stattfand.

Dafür gefiel uns der Botanische Garten Kirstenbosch umso besser. Der Blick auf die Berge dort, erinnerte mich an die Insel der Serie Lost. Ich glaube, mir hat Kapstadt auch deswegen so gut gefallen, weil die Natur hier einfach so vielfältig ist. Egal ob Strand, Berge, Wälder oder Stadtleben – Kapstadt hat alles zu bieten.

Kennst du die Serie Lost?

Und weiter gehts nach Cape St Francis !

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