Roadtrip durch Südafrika

„Es scheint immer unmöglich, bis es getan ist.“

Nelson Mandela

Was mit einer nicht ganz ernst gemeinten Idee startete, entwickelte sich am Ende zu einer der unglaublichsten Reisen, die ich bis jetzt erleben durfte. Südafrika hat mich voll und ganz in seinen Bann gezogen und mir zudem einige wichtige Erkenntnisse für das Leben, sowie auch für mich persönlich gelehrt.

Doch wie genau kam es eigentlich zu dieser Reise? Nun, genau genommen begann alles im Sommer 2023 …

Marina und ich lernten uns durch die Arbeit kennen. Wir saßen zusammen beim Frühstück und sie erzählte mir, dass sie erst vor kurzem in Schottland gewesen sei. Als ich sie daraufhin fragte, wann genau sie dort gewesen war, stellte sich heraus, dass wir uns zur exakt gleichen Zeit in Edinburgh befunden hatten, ohne von der Existenz des jeweils anderen zu wissen. Zufall? Ich glaube nicht …

Das Reisen war eine Leidenschaft, die Marina und ich beide teilten, wodurch wir uns von Anfang an halbwegs sympathisch waren! 😉 Unter anderem erzählte meine neue Kollegin mir, dass sie für ein paar Monate in Südafrika als Au Pair gearbeitet hatte und dass sie ihre Gastfamilie unbedingt noch einmal besuchen wollte. Aus Spaß erwiderte ich daraufhin, dass sie mir Bescheid geben könnte, falls ihre Pläne zu dieser Reise konkreter werden sollten, weil ich dann gerne mitkommen würde. Zu dem Zeitpunkt ahnte noch keiner uns, dass wir knapp 1,5 Jahre später tatsächlich zusammen nach Südafrika fliegen würden.

Das wunderschöne Kapstadt!

Gestartet hat unser Trip in Kapstadt. Dort verbrachten wir die ersten Tage, bevor wir anschließend mit einem Mietwagen runter nach Cape St Francis fuhren. Dort besuchten wir Marinas ehemalige Gastfamilie für zwei Nächte, die in dem kleinen Küstenort ein Ferienhaus besaßen. Auf dem Rückweg legten wir dann zwei Zwischenstopps in Mossel Bay und Hermanus ein, wo wir jeweils drei Nächte verbrachten. Die Endstation unserer Reise war dann wieder Kapstadt.

Falls du keine Lust darauf hast, meinen ausführlichen Reisebericht über Südafrika zu lesen, wäre dies die grobe Zusammenfassung unserer Route. Aber natürlich haben wir zwischendurch sehr viele spannende, lustige und auch merkwürdige Dinge erlebt. Unter diesem Beitrag kannst du unsere Reise Schritt für Schritt verfolgen!

wink

Am 14. Dezember 2024 statteten wir dem Hamburger Flughafen mal wieder einen Besuch ab! Ein weiteres Mal entfloh ich den deutschen Winter, dieses Mal sogar über Weihnachten. Mit einem Zwischenstopp in Doha, waren wir insgesamt 19 Stunden unterwegs. Dadurch, dass ich im Februar schon nach Australien geflogen war, kam mir der Flug allerdings gar nicht so lang vor. Trotzdem waren wir sehr müde, als wir in Kapstadt ankamen und freuten uns demnach schon auf unsere Unterkunft, die sich inmitten des Stadtzentrums befand. Wir holten unseren Mietwagen ab, welchen wir im Voraus auf meinen Namen gebucht hatten (bitte merken, wird zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal wichtig!) und fuhren dann, nach einigen Sicherheitschecks, los.

Bereits beim Verlassen des Flughafens kamen wir an einigen sogenannten „Townships“ vorbei. Das ist die allgemeine Bezeichnung für unterentwickelte Wohngebiete, die während der Apartheid für Nicht-Weiße gedacht waren. Häufig arbeiten viele der Einwohner dieser Slums für die wohlhabenderen Bürger Südafrikas. Während der Fahrt fuhren wir außerdem an einigen weißen Bussen vorbei, über die Marina mir erzählte, dass es spezielle Busse waren, die die Bewohner der Townships zur Arbeit und wieder zurückbrachten.

Mit diesen Bussen wurden die Bewohner der Townships abgeholt.

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, was meine ersten Gedanken waren, als wir in Kapstadt einfuhren. Auf jeden Fall weiß ich noch, dass mir direkt das riesige Bild von Nelson Mandela auffiel, welches in den Steinen eines Hochhauses eingemeißelt war und über die ganze Stadt ragte. Allgemein waren viele Straßen und Plätze nach dem Freiheitskämpfer benannt. Ziemlich faszinierend auf jeden Fall und irgendwie auch bewundernswert, welch große Rolle dieser Mann nach all den Jahren noch immer für sein Land spielt!

Für unsere Zeit in Kapstadt, hatten wir uns eine Unterkunft beim Greenmarket Square gebucht. Trotz Navigation hatten wir allerdings ein paar Schwierigkeiten, die Wohnung zu finden. Dazu muss allerdings auch gesagt sein, dass der Verkehr in Kapstadt anders stressig ist. Jeder fährt wie er will – Ampelfarben werden nicht beachtet, Zebrastreifen dienen lediglich zur Verzierung der Straßen und Tempolimits sind nichts weiter als Empfehlungen.

Zitat Marina: „Wenn du bei rot fährst, ist das übrigens nur halb so schlimm.“

Na ja, irgendwann hatten wir die richtige Straße dann schließlich doch gefunden. Das Problem war nur, dass die Einfahrt zum Apartment aufgrund einer Baustelle blockiert war, weshalb Eddy (unser Gastgeber) mir eine Nachricht schrieb, in welcher er mir erklärte, wie wir zu der Parkgarage gelangen konnten. Natürlich fanden wir den Weg (trotz der Orientierungsbilder, die Eddy uns schickte) nicht. Daraufhin schrieb er, dass er zur Straße kommen würde, um uns zu navigieren.

In diesem Stadtteil befand sich unsere erste Unterkunft.

Was dann geschah, wird im Folgenden aus Marinas Sichtweise (die während unserer Reise ebenfalls Tagebuch geführt hat) geschildert.

Auszug aus Marinas Tagebuch des Beitrags vom 15.12.2024 mit dem Titel „Wer ist der Typ?“:

Wer ist der Typ?

Gerade angekommen, schon sind wir mittendrin im Dschungel von Kapstadt und um zu. Nach zirka zwanzig Minuten Fahrt vom Flughafen, haben wir auch die Straße gefunden, in der unsere Unterkunft sein sollte. Da ist eine kleine Baustelle – wir sollten auf der anderen Straßenseite parken. Merle schreibt mit Eddy, unserem Host.

„Ahh, da steht er auch schon“, sagte sie.

Ein Mann kommt auf unser Auto zu und lächelt etwas.

„Ist er das?“, fragte ich.

„Jaa, muss ja“, antwortete Merle gelassen.

Ich kurbel das Fenster runter und frage: „Alles ok?“

Er: „Ja, und bei euch?“

„Jo, auch.“

Keine Nerven mehr für langen Smalltalk, füge ich gleich hinzu: „Wo sollen wir parken?“

Was dann folgt, ist mit Worten kaum zu beschreiben.

Der Typ führt uns mit dem Auto in eine Nebenstraße und geht in ein Geschäft. Zeitgleich zappelt einer von den Bettelnden vor dem Auto herum, sichtlich um uns bemüht.

Merle (zeigt auf den Bettelnden): „Marina! Da, neben uns der!“

Ich: Ja, ich weiß. Einfach ignorieren!“

Merle: „Oh.“

Ich: „Irgendwie kommt mir das komisch vor.“

Merle: „Ich glaube, der von eben ist doch nicht unser Host.“

Ich werfe Merle einen ernsten Blick zu und sage: „Merle! Du musst jetzt sagen – ist das der Typ oder nicht? Das ist jetzt kein Scherz mehr!“

In dem Moment haben sich Merles (ohnehin schon großen) Augen sosehr geweitet, dass ich gedacht habe, sie würden jede Sekunde rausfallen.

Merle: „Nein, das ist er nicht.“

Ich: „Ok, wir fahren weiter und drehen mal eine Runde.“

Merle: „Eddy fragt wo wir sind.“

Beim zweiten Versuch, unseren Gastgeber zu finden, hat es dann endlich geklappt. Nur noch hoch ins Parkhaus, dann haben wir es geschafft. Das erste kleine Abenteuer in Südafrika ist vorbei. Merle ist sichtlich geschockt.

Ich sage: „Herzlich Willkommen in Südafrika!“

Geduscht, geschlafen, kann weitergehen!

Hier geht unser Abenteuer weiter ⇓

Kapstadt

Cape St Francis

Mossel Bay

Hermanus

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