Zwischen Spanisch lernen und Surfunterricht - Fuerteventura

Der Sommer neigte sich dem Ende zu und als absolutes Sonnenkind, graute es mir bereits jetzt vor der dunklen und kalten Jahreszeit. Hinzu kam, dass ich in mir das Gefühl verspürte, in diesem Jahr noch etwas erleben zu wollen. Ich wollte auf ein Abenteuer gehen, neue Leute treffen, etwas ausprobieren, was ich schon immer hatte machen wollen. Angestrengt dachte ich während meiner morgendlichen Laufrunde darüber nach – und prompt schoss mir ein Gedanke durch den Kopf. Bereits als kleines Kind, war es schon immer ein Traum von mir gewesen, surfen zu lernen. Zugegeben, die australische Jugendserie „Blue Water High“ war nicht ganz unschuldig an diesem Wunsch gewesen… . Wie auch immer – ich setzte mich direkt an den Laptop und recherchierte, was es für Möglichkeiten gab. Es dauerte nicht lange, bis ich auf einen Beitrag einer Sprach- und Surfschule der spanischen Insel Fuerteventura stieß. Der Kurs sollte im Oktober starten und ehe ich mich versah, hatte ich die Reise gebucht.

Die Schule befand sich in Corralejo, eine Stadt an der Nordostküste von Fuerteventura. Bekannt für ihre starken Windböhen, ist die Stadt ein Paradies für alle Surfer.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie aufgeregt ich war, als ich am Flughafen in den Bus einstieg, welcher mich zur Surfschule bringen sollte. Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten würde und zugegeben auch ein wenig Sorge, dass außer mir kein anderer am Kurs teilnehmen würde. Schweigend starrte ich aus dem Fenster und sah dabei zu, wie die rote Wüstenlandschaft an mir vorbeizog, während ich dem Gespräch zwei weiterer (deutscher) Fahrgäste lauschte, die sich über die niedrigen Tankpreise Fuerteventuras unterhielten. Nach einer halben Stunde erreichte ich meine Bushaltestelle. Ein wenig unsicher stieg ich aus und schaute mich um. Von einer Schule war weit und breit nichts zu sehen und die Wegbeschreibung, welche mir vorab geschickt worden war, ergab für mich keinen Sinn. Ich überlegte bereits, einfach auf gut Glück loszuziehen, als plötzlich eine Frau vor mir stand. Es stellte sich heraus, dass sie aus Berlin kam und ebenfalls auf der Suche nach der Surfschule war. Ein Stein fiel mir von Herzen, als ich realisierte, dass ich nicht die einzige Schülerin der Schule sein würde. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg und konnten (nachdem wir drei Mal im Kreis gelaufen waren) die Surfschule schließlich ausfindig machen.

Die Sprach- und Surfschule

Ich war von Anfang an begeistert von der Unterkunft. Diese bestand aus insgesamt drei Etagen. Jede Etage beinhaltete vier Apartments und jeweils zwei Gemeinschaftsküchen. Oben auf dem Dach befand sich ein Rooftop, mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten und einem Pool. Im Erdgeschoss der Schule gab es zusätzlich noch einen Cowork – Bereich, sowie eine offene Innenterrasse.

Ausblick vom Rooftop

Während meines ersten Unterrichtstags verflog meine Sorge, hier auf keine anderen Leute zu treffen, letztlich vollkommen. Der Kurs war sogar so groß, dass nicht einmal alle Schüler Platz in der Unterkunft finden konnten und stattdessen in nahegelegenen Hotels oder Apartments schlafen mussten. Tatsächlich kamen die meisten Teilnehmer aus Deutschland und waren ebenfalls Alleinreisende.

Der Spanischunterricht wurde in vier Gruppen aufgeteilt – zwei Anfänger- und zwei Fortgeschrittenenkurse. Obwohl ich bereits ein Jahr lang Spanisch in der zehnten Klasse gehabt hatte, entschied ich mich für den Anfängerkurs. Hier machte ich schnell Bekanntschaft mit Jenny. Wir verstanden uns gut und vereinbarten, dass wir später zusammen die Hausaufgaben machen wollten. Doch vorerst stand noch etwas anderes auf dem Plan – die erste Surfstunde!

Nach einigen Aufwärmübungen am Strand ging es endlich ins Wasser. Ich freute mich sehr und konnte es kaum erwarten auf dem Brett zu stehen, nur um dann kläglich zu scheitern. Ich glaube, ich habe an diesem Tag das Surfbrett mehr von unten gesehen, als dass ich wirklich drauf gestanden habe. Unter Wasser machte ich übrigens Bekanntschaft mit den großen Felsen und Steinen. Sie schienen mich allerdings nicht zu mögen – zumindest sorgten sie dafür, dass sich mit der Zeit immer mehr blaue Flecken auf meinen Beinen und Armen ansammelten. Außerdem habe ich so viel Salzwasser geschluckt, dass ich mir sicher war, meinen Salzgehalt für die restliche Zeit des Jahres aufgefüllt zu haben. Dennoch machte mir das Surfen großen Spaß und ich wollte nicht aufgeben, ohne vorher mindestens einmal eine Welle zu bekommen. Ich versuchte es immer und immer wieder – und irgendwann klappte es! Zwar waren es nur wenige Sekunden, aber ich stand auf dem Brett! Die meisten anderen Teilnehmer waren übrigens genauso „gut“ wie ich. Aber das war kein Problem, denn Übung macht ja bekanntlich den Meister. 🙂

Die nächsten Tage waren gefüllt mit Spanischunterricht am Vormittag und Surfstunden am Nachmittag. Es war anstrengend, aber es machte gleichzeitig so viel Spaß, dass ich mich beinahe durchgehend energiegeladen und fit fühlte. Außerdem hatte ich mittlerweile eine kleine Gruppe gefunden, mit der ich jeden Abend die nahegelegenen Restaurants und Bars aufsuchte. Dazu muss gesagt sein, dass die Spanier wirklich sehr nachtaktive Menschen sind. Die Geschäfte haben hier teilweise bis Mitternacht auf und öffnen am nächsten Tag nicht vor neun Uhr. Für mich als Frühaufsteherin, war dies anfangs ziemlich befremdlich. Aber wie alles im Leben, zog auch dies seine Vorteile mit sich. Während die meisten Bewohner Corralejos morgens noch schliefen, hatte ich die gesamte Strandpromenade für mich und konnte in Ruhe joggen gehen.

 

Spannend wurde es auch, als ich und die Gruppe rund um Jenny, Paul, Chris und Alex eines Abends beschlossen, dass wir gerne einen Roadtrip über die Insel machen wollten. Der Spanischunterricht war ohnehin beendet und von den Surfstunden meldeten wir uns ab. Also packten wir unsere Sachen, holten den Mietwagen ab und machten uns auf den Weg. Alex fuhr das Auto, Paul hatte den Plan und für den wichtigsten Part war natürlich ich verantwortlich – die Playlist! 😉

Einen besonderen Zwischenstopp legten wir in Caleta Negra ein, eine schwarze Bucht, die von fünfzig Meter hohen Klippen umgeben ist. Entlang der steinigen Felsen, konnte man den Weg durch die Bucht durchaus als eine kleine Wanderung bezeichnen. Schmerzlich musste ich dabei feststellen, dass ein festes Schuhwerk definitiv die bessere Wahl, als lose Flip-Flops gewesen wäre. Aber egal – ich lebe ja bekanntlich nach dem Motto: „Nur die Harten komm‘ in Garten!“ 😀

Fuerteventura hat mich gelehrt, dass es sich lohnt, seine Komfortzone zu verlassen und einfach mal zu machen, anstatt immer nur zu denken. Gracias y adiós!

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